Mehr als ein Pflegeheim - Analyse alternativer Geschäftsmodelle für stationäre Langzeitpflegeinstitutionen im Kanton Solothurn
Stationäre Pflegeheime finanzieren sich fast vollständig aus regulierten Taxen, die steigende Kosten nur verzögert abbilden. Wie gewinnen zwei unterschiedlich organisierte Heime ausserhalb der klassischen Kernpflege wieder wirtschaftlichen Spielraum – und welcher Weg passt zu welcher Struktur?
Nicolò, Valentino, 2026
Art der Arbeit Bachelor Thesis
Auftraggebende Zwei Pflegeinstitutionen im Kanton Solothurn
Betreuende Dozierende Wagner, Ulrich
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Stationäre Langzeitpflege finanziert sich überwiegend aus regulierten Pensions-, Betreuungs- und Pflegetaxen, deren Höhe kantonal gedeckelt ist. Da sie auf zurückliegenden Kostenrechnungen beruhen, bilden sie Kostensteigerungen nur verzögert ab. Bei personalintensiver Kostenstruktur entsteht so eine strukturelle Unterdeckung. Betroffen sind die zwei untersuchten Institutionen – eine gemeinnützige AG und eine Genossenschaft –, die fast ihren gesamten Betriebsertrag aus tariflich fixierten Positionen erwirtschaften und ihre Infrastruktur dennoch aus eigener Kraft ausbauen sollen.
Die Untersuchung erfolgte zweistufig, von der Branchen- zur Institutionenebene. Grundlage bildeten eine Analyse des regulatorischen Rahmens und der Branchenstruktur, eine Finanz- und Einkommensanalyse beider Institutionen, fünf leitfadengestützte Interviews mit Geschäftsleitungen unterschiedlicher Trägertypen sowie eine modellbezogene Bewertung mittels Business Model Canvas und vereinfachter Deckungsbeitragsrechnung. Diese wurde institutionsneutral und bewusst konservativ geführt und betrachtet den Deckungsbeitrag I als Beitrag zur Fixkostendeckung.
Vertieft wurden Betreutes Wohnen und Alterswohnungen, da sie Preise ausserhalb der tariflichen Deckelung setzen und an demografisch gestützte Nachfrage anschliessen. Alle fünf befragten Geschäftsleitungen bestätigen unabhängig voneinander, dass das regulierte Kerngeschäft die Betriebskosten strukturell nicht deckt. Beide Modelle erzielen einen positiven Deckungsbeitrag I. Der höhere Wert des Betreuten Wohnens folgt aus dessen grösserem Leistungsbündel, nicht aus höherer Wirtschaftlichkeit. Da Fix- und Kapitalkosten ausgeklammert bleiben, ist er notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung der Tragfähigkeit. Die Priorisierung fällt gegenläufig aus. Der Aktiengesellschaft empfiehlt sich der Einstieg über Alterswohnungen, die vorhandene Infrastruktur nutzen und keine neue pflegerische Struktur erfordern, mit Betreutem Wohnen als bedingtem Folgeschritt. Für die Genossenschaft ist Betreutes Wohnen prioritär, da eine interne Spitex-Lösung und eingespieltes Personal vorliegen. Wegen des begrenzten Finanzierungsspielraums ist eine kapitalschonende Realisierung über ein Generalmietmodell zu prüfen. Die Ergebnisse sind eine Entscheidungsgrundlage, keine abschliessende Investitio
Studiengang: Betriebsökonomie (Bachelor)
Keywords Pflege
Vertraulichkeit: vertraulich