Integrität in der direkten Demokratie: Manipulationsprävention bei Unterschriftensammlungen. Ein sicherheitsorientierter Bezugsrahmen für Bundeskanzlei, Komitees und Sammelnde.
Die Unterschriftensammlung für eidgenössische Volksinitiativen und fakultative Referenden ist ein Kernprozess der politischen Rechte in der Schweiz. Die Bachelorarbeit entwickelt für die Bundeskanzlei ein evidenzbasiertes Sensibilisierungskonzept zu Integrität für Komitees und Sammelnde.
Patrick Vontobel, 2025
Art der Arbeit Bachelor Thesis
Auftraggebende Schweizerische Bundeskanzlei (BK)
Betreuende Dozierende Asprion, Petra
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Die direkte Demokratie setzt voraus, dass Unterschriften für Volksinitiativen und Referenden korrekt und freiwillig zustande kommen. In den letzten Jahren wurden Verdachtsfälle bekannt, insbesondere im Zusammenhang mit Sammelorganisationen. Sie stellen die Integrität des Sammelprozesses in Frage und können das Vertrauen schwächen. Die Bundeskanzlei setzt die rechtlichen Vorgaben um und prüft Unterschriften, hat aber nur begrenzten Einfluss auf Komitees und Sammelnde. Gesucht ist ein Ansatz, wie Integrität über Sensibilisierung gestärkt werden kann, ohne die Kampagnenfreiheit einzuschränken.
Die Arbeit ist als Fallstudie angelegt und folgt einem qualitativ dominierten Mixed-Methods-Ansatz mit Triangulation. Grundlage ist ein sicherheitsorientierter Bezugsrahmen mit den Dimensionen Steuerungs- und Verantwortungsrahmen (Governance), Prozesse, Human Factor sowie Awareness- und Unterstützungsinstrumente. Ausgewertet wurden eine systematische Literaturrecherche, Leitfäden und Prozessbeschreibungen der Bundeskanzlei sowie Rückmeldungen von Fachpersonen, verdichtet in einer qualitativen Inhaltsanalyse. Als analytische Linse dienen die Integritätshebel «Situationen, Strukturen, Signale».
Die Ergebnisse zeigen, dass Integritätsrisiken selten an einem einzelnen «kritischen Punkt» entstehen, sondern im Zusammenspiel von heiklen Situationen, unklaren Strukturen und widersprüchlichen Signalen. Literatur- und Praxisbefunde stützen kurze, kontextspezifische Lernimpulse mit klaren Handlungsoptionen – statt umfangreicher Schulungsprogramme. Darauf aufbauend entwickelt die Bachelorarbeit ein zweistufiges Sensibilisierungskonzept. Paket A stärkt die BK-seitige Verankerung von Integrität, indem Integritätselemente in Leitfäden, Schreiben an Komitees und interne Checklisten integriert und Ansprechstellen klar benannt werden. Paket B richtet sich an Komitees und Sammelnde und umfasst drei Bausteine: einen Integritäts-Check für Komitees, einen Einseiter «Faires Sammeln» und eine Kurz-Checkliste für heikle Situationen. Für die Auftraggeberschaft entsteht ein pragmatischer Rahmen, um Integrität und Manipulationsprävention ohne neue Pflichten in den Sammelalltag einzubetten, die Eigenverantwortung der Komitees zu stärken und Erfahrungen für künftige Arbeiten – etwa im Bereich E-Collecting – zu nutzen. Alle Bausteine sind evidenzbasiert, pragmatisch und ressourcenschonend gestaltet.
Studiengang: Wirtschaftsinformatik (Bachelor)
Keywords Direkte Demokratie, Integrität in Unterschriftensammlungen, Manipulationsprävention, Schweizerische Bundeskanzlei, Komitees und Sammelnde, Governance, Informationssicherheit, Awareness, Human Factor, sicherheitsorientierter Bezugsrahmen, Sensibilisierung
Vertraulichkeit: öffentlich