Zwischen Kundenautonomie und Schutzpflicht
Wie viel Fürsorge verträgt Anlegerautonomie? Auf Basis von elf Interviews untersucht die Studie, wie Beratungspersonen in Aktienmarktkrisen intervenieren und weshalb der Schutzbedarf nicht allein am chronologischen Alter festgemacht werden sollte.
Garcia, Aylin; Schaub, Lukas, 2026
Type of Thesis Bachelor Thesis
Client Schweizerisches Finanzinstitut
Supervisor Brenner, Andreas
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Digitale Anlageangebote ermöglichen rasche, selbstständige Transaktionen. Persönliche Beratung kann in Aktienmarktkrisen dagegen Kontext, Widerspruch und emotionale Stabilisierung bieten. Daraus entsteht ein ethisches Spannungsfeld: Wann unterstützt eine Intervention einen informierten Entscheid, und wann wird sie zur Bevormundung? Die Arbeit untersucht, wie Beratungspersonen eines Schweizer Finanzinstituts dieses Spannungsfeld zwischen Anlegerautonomie und professioneller Fürsorge bearbeiten.
Die Arbeit verbindet philosophische, verhaltensökonomische und regulatorische Ansätze in einem theoriegeleiteten Bewertungsraster. Empirische Grundlage bilden elf leitfadengestützte Interviews mit Beratungspersonen eines Schweizer Finanzinstituts. Die transkribierten Gespräche wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Untersucht wurden Begründungs- und Handlungsmuster in Krisensituationen; die Daten bilden retrospektive Selbstbeschreibungen und keine beobachteten Kundengespräche ab.
Mehrere Befragte betrachteten das chronologische Alter nicht als alleinigen oder primären Massstab für den Schutzbedarf. Wichtiger erschienen ihnen Anlage- und Krisenerfahrung, Lebensphase, Liquiditätsabhängigkeit, Persönlichkeit, Vermögensherkunft und familiäre Situation. Beschrieben wurde überwiegend eine stufenweise Einflussnahme: proaktiver Kontakt, verständliche Einordnung, Prüfung von Zielen und Verständnis, begründeter Widerspruch sowie das Aufzeigen von Alternativen. Der informierte Entscheid soll grundsätzlich bei der Kundschaft verbleiben. Für harten oder zwingenden Paternalismus lieferten die Selbstbeschreibungen keine eindeutigen Belege. Für die Praxis empfiehlt die Arbeit einen ereignisbezogenen Krisen-Check-in, eine transparente Eskalationslogik, eine Interessenprüfung und eine Zweitmeinung. Damit erhält die Auftraggeberschaft einen Orientierungsrahmen, um Schutzbedarf individueller einzuschätzen, Interventionen nachvollziehbar zu gestalten und digitale Analyse mit persönlicher Gesprächsführung zu verbinden. Der Leitfaden ist noch nicht praktisch validiert; die Ergebnisse sind analytisch, nicht statistisch übertragbar.
Studyprogram: Betriebsökonomie (Bachelor)
Keywords Wealth Management, Anlegerautonomie, Paternalismus, Kundenschutz, Aktienmarktkrise, Anlageberatung, Vermögensverwaltung
Confidentiality: vertraulich