Bedarfs- und Akzeptanzanalyse einer digitalen Gesundheitsplattform für Schweizer Arztpraxen
Ein Arzttermin ist oft mühsamer zu buchen als ein Zugticket. Diese Bachelorarbeit untersucht, ob und wie eine digitale Gesundheitsplattform in Schweizer Arztpraxen auf Akzeptanz stösst und was für eine erfolgreiche Einführung entscheidend ist.
Shanmugaratnam, Sujana, 2026
Type of Thesis Bachelor Thesis
Client Ein Schweizer IT-Unternehmen
Supervisor Meyer, Dario
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In Schweizer Arztpraxen laufen administrative Prozesse noch weitgehend manuell: Nur 16 % der Hausärztinnen und Hausärzte bieten eine Online-Terminbuchung an, lediglich 20 % eine digitale Rezepterneuerung. Ein Schweizer IT-Unternehmen entwickelt deshalb eine digitale Gesundheitsplattform, welche Terminbuchung, Rezeptverwaltung und Dokumentenzugriff zwischen Arztpraxen und Patientinnen und Patienten bündeln soll. Da sich die Plattform noch in der Entwicklungsphase befindet, war bisher unklar, wie gross der tatsächliche Bedarf ist und welche Faktoren die Akzeptanz beeinflussen.
Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden drei leitfadengestützte Experteninterviews mit Arztpraxen und ergänzender Fachexpertise sowie eine quantitative Online-Umfrage bei 301 Personen aus der Bevölkerung kombiniert. Als theoretischer Rahmen dienten das Technologieakzeptanzmodell (TAM) nach Davis, die Diffusionstheorie nach Rogers sowie Konzepte der Plattformökonomie. Dieser Methodenmix ermöglichte es, sowohl die Sichtweise der Anbietenden als auch jene der künftigen Nutzenden zu erfassen.
Bedarf und Akzeptanz unterscheiden sich deutlich zwischen den beiden Gruppen. Bei der Bevölkerung fällt die Zustimmung klar aus: 87 % der Befragten äussern eine grundsätzliche Nutzungsbereitschaft, entscheidend dafür sind eine transparente Kommunikation des Datenschutzes nach Schweizer Recht sowie eine Datenspeicherung in der Schweiz. Bei Arztpraxen entscheidet dagegen primär der bereits vorhandene Digitalisierungsgrad. Praxen mit gewachsener digitaler Infrastruktur sehen konkreten Nutzen, etwa bei Rezeptbestellung und Zugriff auf Laborwerte, während weniger digitalisierte Praxen den Aufwand eines Systemwechsels und den Verlust des Patientenkontakts fürchten. Die grösste Herausforderung liegt somit nicht bei der Bevölkerung, sondern bei den Arztpraxen selbst. Für das Unternehmen ergeben sich vier Empfehlungen: Die Einführung an den Digitalisierungsstand jeder Praxis anpassen, Interoperabilität mit bestehenden Praxisinformationssystemen priorisieren, den Datenschutz aktiv kommunizieren und die Plattform klar als Entlastung im administrativen Bereich positionieren, nicht als Ersatz des persönlichen Kontakts.
Studyprogram: Betriebsökonomie (Bachelor)
Keywords Digitale Gesundheitsplattform, Technologieakzeptanz (TAM), Diffusion von Innovationen, Plattformökonomie, Schweizer Gesundheitswesen, Arztpraxen
Confidentiality: vertraulich